Zwischentöne -
Kammermusikfestival Engelberg

23. bis 25. Oktober 2020

"Mysterium"



Liebe Musikinteressierte

Zwischentöne ist der vielsagende, aber auch vielversprechende Name dieses Kammer- musikfestivals. Alljährlich bietet das Kloster Engelberg den Musikerinnen und Musikern in bester Benediktiner-Tradition gastfreundschaftlich eine Heimstatt. Das Motto des Programms lautet in diesem Jahr Mysterium, ein Begriff, der einen engen Bezug zum religiösen Leben des Klosters herstellt. Der aber, wir werden es sehen, hierauf nicht beschränkt bleibt. Und auch nicht auf die Zeit des Mittelalters, in der das Kloster vor nunmehr 900 Jahren gegründet worden ist. Mystisches, Rätselhaftes, Unerklärliches, Unerforschliches begegnet uns allenthalben auch heute, in diesen total durchrationalisierten Zeiten. Und das ist gut so. Es macht uns nachdenklich. Anderes wird plötzlich wichtig. Und für die Musik, um die es ja in diesen Tagen geht, bedeutet es, andere, auch neue Klangwelten zu entdecken, genauer hinzuhören auf die feinen, verschlüsselten Botschaften, die von so vielen grossen Werken der Musik ausgesendet werden. Es gilt eben die Zwischentöne zu hören, ihnen nachzuleuchten und beispielsweise versuchen zu begreifen, was ein Komponist gemeint hat, wenn er als Spielanweisung «misterioso» geschrieben hat.

Wir durchleben eine schwierige Zeit. Die Corona-Pandemie bedrückt uns. In allen Lebensbereichen hinterlässt sie ihre Spuren. Der ohnehin überdrehte Musikbetrieb, dem wir ohne jedwedes Erbarmen ausgesetzt sind, kennt keine Zwischentöne. Mystisches ist ihm fremd. Jetzt müssen wir uns neu besinnen, wie wir mit der Musik, wie wir mit dem Musizieren umgehen. Kleinere Formate drängen sich auf. Wir hören mit wenigen Gleich- gesinnten wenigen Musikern zu, wie sie sich mit klein besetzten Werken mitunter ganz neuen Musiziererfahrungen aussetzen. Für alle, die entdeckungsfreudig Musizierenden, aber auch für die aufmerksam, die Ohren aufsperrenden Konzertbesucher, ist das eine Chance, die genutzt werden will.

Das Motto Mysterium ist eine Reverenz an das 900 Jahre alt gewordene Kloster Engelberg. Es hat eine bewegte Geschichte, die geprägt ist von dem Zusammenwirken der Menschen im Tal mit den Brüdern im Kloster. «Ora et labora!», der Sinnspruch der Benediktiner, fordert die Mönche imperativ zum Beten und Arbeiten auf und stiftet bis heute den starken Zusammenhalt. Das «arbeitet!» bezieht sich bei den Benediktinern nicht nur auf landwirtschaftliche und handwerkliche Produktion sondern immer auch auf die Kultur der Umgebung. Auf die stabilitas loci, also auf die Verbindung zu ihrem Ort, hierauf haben die Mönche ein Gelübde abgelegt. Und so ist in Engelberg schon im 13. Jahrhundert eine Schule entstanden, die heute noch existiert. Auch der Musik haben die Klosterbrüder immer ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht wenige Patres sind als Kom- ponisten hervorgetreten und es gibt eine reich bestückte Musikbibliothek. Es verwundert nicht, dass die grösste Orgel der Schweiz mit ihren 9097 Pfeifen und 137 Registern in Engelberg zu finden ist. Für die Musik ist freilich noch bedeutsamer, dass hier der Codex 314 entstanden ist und immer noch aufbewahrt wird. Was verbirgt sich hinter diesem doch recht profan anmutenden Archiv-Kürzel «Codex 314»?

Der Codex 314 ist eine prächtig gestaltete Sammlung von illuminierten einzelnen Blättern, die im Jahre 1372 zu einem auch in seinem Umfang eindrucksvollen Buch zusammengebunden wurden. Acht Schreiber haben über 40 Jahre den liturgischen Gesang, lateinische kirchliche Texte, Mysterienspiele, aber auch profane Lieder, wie sie ausserhalb des Klosters gesungen und gespielt wurden, festgehalten. Dieser Codex ist so zu einer Art Archiv geworden in dem nachzuverfolgen ist, wie das klösterliche Leben im 14. Jahrhundert ausgesehen haben könnte, was die Mönche an Texten beschäftigt hat, wie sie die Gottesdienste und Stundengebete musikalisch gestaltet haben, aber auch das, was an Texten und Liedern von aussen, vom Tal in das Kloster gedrungen ist. Es war kein Buch, das gelesen wurde. Es wurde auch nicht zum Singen in den Gottesdiensten genutzt. Die Mönche kannten ihre Stimmen auswendig. Den Codex 314 hätten sie zum Singen kaum benutzen können. Nicht selten finden sich die Stimmen für eine Motette auf der Vor- und Rückseite des gleichen Blattes. Der Codex 314 ist eine inhaltsreiche Dokumentation des klösterlichen Lebens in Engelberg im 14. Jahrhundert und so von unschätzbarem Wert auch für die Musikgeschichte. Das englische Vokalensemble Marian Consort wird uns diese Gesänge, in ihrer ganz eigenen Mischung aus Schlichtheit und Reichtum, vergegenwärtigen.

Die vollkommene Versenkung in die christlichen Glaubensmysterien kennzeichnete die unbedingte Religiosität im ausgehenden Mittelalter. Der Begriff des Mysteriums entstand in dieser Zeit. Sie äusserte sich auch in den musikalischen Ausdrucksformen. Die Gesänge der Gregorianik und die in den Klöstern entwickelten Psalmodien sind Klang gewordene Meditationen. Musik half und hilft bis heute, sich mystische, ausserweltliche Erfahrungen zu erleben. Es gab eine Sehnsucht nach unergründlichen Geheimnissen. Und diese Sehnsucht nach dem Unerklärlichen, dem Übersinnlichen, auch dem Metaphysischem ist bis heute, trotz aller kaltschnäuziger Rationalität, der unser Denken zu gehorchen hat, keineswegs versiegt. Das ist die leitende Programmidee der diesjährigen Zwischentöne. Kein Zweifel, neue Musik, aber auch viele grosse Werke der Vergangenheit, haben etwas Geheimnisvolles, Mystisches. Sie stellen uns immer wieder vor neue Rätsel.

Die Komponisten unserer Zeit, denen wir an diesem Wochenende begegnen, tragen klangvolle Namen und ihre Heimatorte finden sich in höchst unterschiedlichen Gegenden auf der musikalischen Landkarte. Tōru Takemitsu kommt aus dem fernen Osten, György Kurtag, György Ligeti und Arvo Pärt aus dem Osten Europas, Luigi Nono aus Italien. Ernest Bloch stammt aus der Schweiz und wirkte später, wie Morton Feldman, in den USA. Ihnen allen geht es um das Suchen nach neuen ausdrucksvollen Klängen, die Ungewöhnliches mitteilen, die nachdenklich machen, die Mysteriöses, Rätselhaftes komponieren, in das wir Hörer uns versenken, das wir aber nicht unbedingt entschlüsseln müssen. Diesen Komponisten geht es aber auch um das Fortschreiten im Reich der Musik, oder wie Luigi Nono ein Graffiti zum Motto seiner letzten Schaffensjahre gemacht hat: «Hay que caminar» - «Man muss gehen». Man darf nicht verweilen. Man muss immer weiter gehen. Man muss suchen. Nicht das Ziel ist wichtig, der Weg ist es. Zwei Violinen begeben sich in diesem, so betitelten, Stück Ton für Ton ertastend auf einen Weg, der kein Ziel hat. Zu zweit scheint es leichter als allein. In diesem Konzert erklingen auch Werke von György Kurtag, dem grossen Zauderer, der bei jeder Note, die er zu Papier bringt, sich zu fragen scheint: «Muss es sein?», bis er schliesslich die Frage bejaht und uns mit vielsagenden verrätselten Fragmenten zum aufmerksamen Zuhören und Nachspüren zwingt. In diesem Konzert erklingt auch die letzte der Mysterien-Sonaten des neben Mozart anderen grossen Salzburgers, Heinrich Ignaz Franz Biber. Vor mehr als 300 Jahren ist sie entstanden. Es ist eine «Passacaglia». Das bedeutet nichts anderes als «auf Gassen schreitend» und das in der Vorstellung von Biber beschützt von einem Schutzengel. Ein Werk von grosser Zuversicht und Überzeitlichkeit.

Das Vokalensemble Marian Consort macht uns in seinem Konzert darauf aufmerksam, wie das Mysterium als mystische Gotteserfahrung auch das Musikschaffen religiös inspirierter zeitgenössischer Komponisten geprägt hat. Werke von James MacMillan, Peter Maxwell Davies und den Franzosen Francis Poulenc und Pierre Villette werden erklingen und an die Seite der Komponisten gestellt, die vor vierhundert Jahren bereits, im Titel gleichlautend, das Mysterium des Glaubens als magnum oder mirabile besungen haben.

Wir erfahren in diesen Konzerten, dass Mystisches, Rätselhaftes, auch mit scharf zupackender Vernunft letzten Endes unbegreiflich Bleibendes die Geschichte der Musik durchzieht. Wir hören Musik, die nicht auftrumpft, die aus der Stille entsteht, die sich vorsichtig in die Welt tastet. Aber wir hören auch den späten Beethoven, der mit all seiner Klang gewordenen Wut und dem immer wieder erlösenden Blick in einen sich traumhaft öffnenden Musikhimmel, der Mitwelt und Nachwelt ein grosses Rätsel geblieben ist.

Elmar Weingarten

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Die Künstler

Programm

"Mysterium"

Die Konzertdauer ist jeweils ca. 1h, die Matinee 3/ "Sieben letzte Worte" dauert ca. 1 ½h

1/ "Mirabile Mysterium" Freitag, 23. Oktober 2020 18:00 Uhr Kursaal Details »
2/ "Bekenntnis" Freitag, 23. Oktober 2020 20.00 Uhr Kursaal Details »
3/ "Sieben Letzte Worte" Samstag, 24. Oktober 2020 10.30 UhrBarocksaal Details »
"Ensemble-Singen Ent-Mystifiziert"
Werkstatt mit dem Marian Consort – für junge SängerInnen
Samstag, 24. Oktober 2020 14.30 Uhr Barocksaal Details »
4/ "Hay que caminar" Samstag, 24. Oktober 2020 17.00 Uhr Kursaal
ab 18.15 Festival-Teller im H+ Hotel, bitte über das Hotel buchen
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5/ "Erzherzog" Samstag, 24. Oktober 2020 19.30 Uhr Kursaal
ab 20:30 – 3-Gang Diner im H+ Hotel, bitte über das Hotel buchen
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6/ "Mysterium – der späte Beethoven" Sonntag, 25. Oktober 2020 11.15 Uhr Barocksaal
Einführung 10.30 Uhr
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7/ "Between Tides" Sonntag, 25. Oktober 2020 14.00 UhrKursaal Details »
8/ Kirchenkonzert "O magnum mysterium" Sonntag, 25. Oktober 2020 16.00 UhrKlosterkirche Details »
9/ "Quaerendo Invenietis" Sonntag, 25. Oktober 2020 18.30 UhrKursaal Details »

Tickets

Packages und Hotelzimmerbuchungen:
Festivalhotel H+ Hotel & Spa
H+ Hotel
per email
oder Telefon +41 (0)41 639 58 58

 

Festivalpässe und Einzelkarten:
zwischentoene.kulturticket.ch

Kulturticket

Studenten/Schüler
Festivalpass A 9 Konzerte
Exklusive Diner und Werkstatt
CHF 320.- CHF 160.- Tickets
Festivalpass B 7 Konzerte
Exklusive Matineen(3,6), Diner und Werkstatt
CHF 240.- CHF 120.- Tickets
Festivalpass C Fr/Sa 4 Konzerte
Exklusive Matinee(3), Diner und Werkstatt
CHF 140.- CHF 70.- Tickets
Festivalpass D Sa/So 5 Konzerte
Exklusive Matineen(3,6), Diner und Werkstatt
CHF 160.- CHF 80.- Tickets
 
Hotelpackages Pro Übernachtung im Doppelzimmer Fr. 80.-
(Einzelzimmerzuschlag Fr. 25.-)
CHF 80.- in Kombination mit einem der Festivalpässe
Buchbar über H+Hotel
Kontakt
 
Einzelkarten CHF 40.- CHF 20.- Tickets
Für die Konzerte im Barocksaal (3,6) sind erst ab dem 10.10. Restkarten erhältlich
Werkstatt"Ensemble-Singen Ent-Mystifiziert"CHF 20.-CHF 10.- Tickets
 
Diner im H+Hotel Sa 24.Okt im Anschluss an
Konzert 4 (Festivalteller) Fr. 20.- oder
Konzert 5 (3-Gang Diner) Fr. 35.-
Direkt über H+ Hotel buchen Kontakt

Info

Schutzkonzept

 

Ab sofort gilt im Kanton Obwalden Maskenpflicht in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen, somit auch im Kloster und im Kursaal. Wir möchten Sie bitten, Ihre Maske während dem Besuch des Festivals dauerhaft anzubehalten, und beim Betreten und Verlassen der Sääle genügend Abstand zu anderen Besuchern zu halten.

Wir freuen uns sehr, unser diesjähriges Kammermusikfestival Zwischentöne mit ein paar Anpassungen durchführen zu können. Als eines der wenigen Klassikfestivals dürfen wir wunderbare Kammermusik wieder live erklingen lassen. Selbstverständlich steht der Schutz unseres Publikums, unserer MitarbeiterInnen sowie unserer MusikerInnen dabei an erster Stelle. Mit unserem Konzept halten wir uns an die geltenden Sicherheitsmassnahmen, um Sie vor einer Ansteckung zu schützen und Ihnen einen sorglosen Konzertbesuch zu ermöglichen.

Statt 6 Konzerte gibt es diesmal 9 Konzerte von ca. 1 Stunde Dauer – ohne Pause. 6 dieser Konzerte finden im neu eröffneten Kursaal Engelberg statt, so dass wir die Abstandsregeln einhalten können und in den Genuss des stimmungsvollen Jugendstilsaales kommen. Auf das Late Night Concert und die Klosterführung müssen wir diesmal leider verzichten.

Nutzen Sie wenn möglich den Vorverkauf. Es gibt keine freie Platzwahl. Bitte befolgen Sie die Anweisungen der MitarbeiterInnen.

 

Festivalhotel

 

Das Festivalhotel H+ Hotel & Spa bietet für Besucher des Festivals Spezialkonditionen. Buchen Sie zusammen mit den Konzertkarten, und wohnen Sie im selben Hotel wie die Künstler.

Informationen zum Hotel: www.h-hotels.com

 

Kontakt

Pedro Zimmermann, Geschäftsführer

zimmermann[at]zwischentoene.com

 

 

Anreise

Bahn: 43 Min. ab Luzern. Letzte Verbindungen ab Engelberg 21.02/22.02/23.02/23.30 Uhr. 

Das Kloster ist vom Bahnhof in 8 Minuten zu erreichen. 

 

Auto: Anfahrt über Stans. Besucherparkplätze beim Kloster. 

 

 

Fotocredits

Titelfoto Kloster: Christian Perret
Merel Quartett und E. Mätzener: Hannes Heinzer
ME. Woodside, R. Rosenfeld: Marco Borggreve im KKL Luzern
A. D'Amico: Rafael Rosenfeld
M. Shirinyan: Nikolai Lund
T. Feldmann: Kaupo Kikkas
The Marian Consort: Ben Durrant
Ch. Sutter: Dominic Ostertag
A. Besa: Ingo Höhn
R. Catalá: Luisa Larrave
N. Tochev: Remo Eisner
M. Rosenfeld Christian Kaufmann

 

hier den digitalen Flyer herunterladen

 

Gönner

Spezieller Dank geht an die äusserst grosszügige finanzielle und ideelle Unterstützung des Gönnervereins Freunde des Kammermusikfestivals Zwischentöne Engelberg. Werden auch Sie Mitglied und ermöglichen so eine erfolgreiche Weiterführung dieses Festivals!

Infos und Anmeldeformular finden Sie hier.

Partner

Wir danken unseren Partnern:

Alice Rosner Foundation — Elsener-Gut Stiftung – Rolf und Trudy Aebi-Lüthy Stiftung – Geert und Lore Blanken-Schlemper Stiftung – Schüller-Stiftung – Thyll Stiftung – Schyn Holding AG – Verein Freunde Zwischentöne Engelberg